Sämtliche Gemälde und Zeichnungen des Komponisten aus dem Besitz der Familie Schoenberg (Los Angeles, Venedig) gingen kürzlich in den Besitz der Arnold Schönberg Center Privatstiftung über.
Das bildnerische Werk Arnold Schönbergs, das seit 1998 bislang als temporäre Leihgabe am Center bewahrt, erforscht und vermittelt wurde, umfasst 227 Gemälde und Zeichnungen (davon entfallen auf die Malerei 97, auf die Grafik 130 Werke). Der Schätzwert der umfangreichen Schenkung wird mit rund 27 Millionen Euro beziffert.
Das bildnerische Werk ist ein bedeutender Botschafter für das Gesamtwerk des Komponisten und hat die Wahrnehmung des Center als Wiener Kulturinstitution mit internationalem Profil maßgeblich beeinflusst und gestärkt.
Eine Mehrzahl der Gemälde und Zeichnungen entstand in Wien. Selbstportraits, Portraits, Eindrücke und Fantasien, Naturstücke, Karikaturen, Bühnenbildentwürfe und Designs bezeugen ein breites Spektrum künstlerischen Ausdrucks.
Schönberg pflegte Kontakte zu Künstlern der Wiener Secession, zu Oskar Kokoschka, Richard Gerstl, Egon Schiele, Max Oppenheimer, Albert Paris Gütersloh und Carl Moll, zu Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter und Max Liebermann. Er frequentierte die Galerien Miethke und Pisko, den Hagenbund und die legendären Wiener Kunstschauen von 1908 und 1909, in denen zentrale Tendenzen der Wiener Moderne aufgegriffen und neue Funktionszusammenhänge der Künste thematisiert wurden. Schönbergs Bilder wurden bei der ersten Exposition des „Blauen Reiter“ in München 1911 ebenso gezeigt wie an der Seite der Gemälde von Egon Schiele, Anton Faistauer und Oskar Kokoschka bei der „Neukunst“-Ausstellung in Budapest 1912. In den nachfolgenden Jahrzehnten folgte eine stets wachsende Anerkennung des – von Schönberg selbst als „Musizieren in Farben und Formen“ charakterisierten – Bildœuvres durch Kuratoren, Wissenschaftler und eine kunstinteressierte Öffentlichkeit.
Seit dem temporären Transfer der Sammlung von Los Angeles nach Wien im Jahr 1998 wurden Schönbergs Werke in 165 Ausstellungen in Europa und den USA gezeigt. Die von der legendären Ausstellung Traum und Wirklichkeit in Wien angestoßene Wirkungsgeschichte „Wien um 1900“ erschloss Schönbergs Bilder einem internationalen Publikum im Kontext ihres Entstehungsumfeldes in zahlreichen Museen.
Überblicksausstellungen u. a. in St. Petersburg 1999, Moskau, Dresden 2001, Frankfurt am Main 2002, Bonn 2003, Český Krumlov 2004, Palermo 2010 und Wien 2005, 2019 boten nach der Etablierung des Arnold Schönberg Center im Jahr 1998 eine umfassende Sicht auf das Werk, das in den Kontext des österreichischen Frühexpressionismus ebenso eingebunden wurde wie jenen der russischen Avantgarde.
Oftmalig werden Schönbergs Bilder in einen Zusammenhang mit Werken von Wassily Kandinsky sowie mit dem „Blauen Reiter“ gesetzt (u. a. Bremen 2000, New York 2003, Saint-Tropez 2006, Prag 2011, Brüssel 2013, München 2021, Paris 2025). Auch der Konnex zwischen den bildnerischen Werken Schönbergs und jenen Richard Gerstls wurde bereits mehrfach thematisiert (New York 2017, Wien 2019, Zug 2022). In New York 2004, Amsterdam 2014, Zaragoza 2007 und Paris 2016 war Schönbergs Werk in den erweiterten Kontext seines Judentums und seiner Religiosität eingebettet. Interdisziplinäre Expositionen nahmen die Themen Gesamtkunstwerk und Synästhesie in den Blick (Basel 1998, Madrid 2003, Vilnius 2009).
Einzelnen Bildgenres oder Stilepochen widmeten sich kuratorische Konzepte in Budapest 2009, Mailand und Toulouse 2010, Dresden und Brünn 2011, Bern und Tampere 2012, London 2013.
Zuletzt wurde im heurigen Jahr die Beziehung von Schönberg und Karl Kraus u. a. über eine Reihe von Gemälden und Zeichnungen in Wien visualisiert.
Innerhalb Österreichs wurden Leihgaben des Arnold Schönberg Center an folgenden Museen gezeigt: Leopold Museum, Österreichische Galerie Belvedere, Jüdisches Museum Wien, Kunsthistorisches Museum Wien (Palais Harrach), Sammlung Essl Klosterneuburg, Kokoschka-Haus Pöchlarn, Lentos Museum Linz, Museum der Moderne in Salzburg, Werner Berg Museum Bleiburg, Rabalderhaus Schwaz, Vorarlberg Museum Bregenz.
Die Bedeutung dieses Kreativzweiges von Arnold Schönberg ist in einem umfassenden zweisprachigen Catalogue raisonné dokumentiert, der 2005 vom Center vorgelegt wurde.
Das Arnold Schönberg Center nimmt die großzügige Schenkung zum Anlass, nach 20 Jahren erstmals wieder eine umfassende Ausstellung den Gemälden und Zeichnungen des Komponisten zu widmen: „Gemalte Musik. Atelierbesuch bei Arnold Schönberg“ (ab 11. März 2025, kuratiert von Sammlungsleiterin Therese Muxeneder).
Schönberg im Urteil von Zeitgenossen und Nachfahren:
„Ich möchte die Schönbergsche Malerei am liebsten die Nurmalerei nennen.“ (Wassily Kandinsky)
„Es werden vielleicht Jahrhunderte vergehen müssen, bis die Menschen sich darüber wundern werden, womit sich die Zeitgenossen Arnold Schönbergs den Kopf zerbrochen haben.“ (Adolf Loos)
„Keiner hat so radikal mit überkommenen Traditionen gebrochen wie Schönberg, keiner war so radikal wie er in dieser Zeit.“ (Hermann Nitsch)

