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Echo Klassik Preis

Eine CD-Aufnahme sämtlicher Klavierwerke Arnold Schönbergs gewinnt den »Echo Klassik« in der Kategorie »Solistische Einspielung des Jahres« (20./21. Jahrhundert).

Insgesamt 37 Schaffensjahre Arnold Schönbergs beleuchtet der junge Pianist Hardy Rittner auf der Hybrid SACD des Labels Dabringhaus und Grimm. Die früheren Werke bis zu den Sechs kleinen Klavierstücken op. 19 erklingen auf einem Hammerflügel von Johann Baptist Streicher & Sohn aus dem Jahr 1870, Für die Klavierstücke ab Schönbergs op. 23 wählte Rittner indes einen Steinway von 1901. Dass der strapazierte Terminus Historische Aufführungspraxis nicht auf die Alte Musik beschränkt bleiben muss und mit gutem Recht auf das 20. Jahrhundert ausgedehnt werden darf, wird durch Rittners Engagement untermauert. Der Pianist dokumentiert auf diese Weise auch die Verwurzeltheit von Schönbergs Komponieren in der Brahmsschen Tradition. (klassik.com)

»Dass der Steinway-Flügel von 1901 ein angemessenes Instrument für die Einspielung Schönbergscher Klavierwerke ist, darüber sollte es keine verschiedenen Meinungen geben. Zudem belegen damalige Programmzettel die Verwendung eines Steinways (von der Firma Bernhard Kohn) durch Schönberg bei den Konzerten im Rahmen seines Vereins für musikalische Privataufführungen. Wie geht es dagegen mit dem Streicher-Piano von 1870 aus, einem Instrument, dass sogar noch vor der Geburt des Komponisten gebaut wurde? Kann die Benützung eines solchen Flügels für die Musik von Schönberg überhaupt noch als musikalisch sinnvoll angesehen werden? Oder handelt es sich hierbei um eine von den musikalisch-interpretatorischen Notwendigkeiten losgelöste »historische« Provokation, deren Zielsetzung mehr im Selbstzweck der Polarisierung denn in den klanglichen Resultaten liegt?
Eine zentrale Antwort auf diese Fragestellung gibt der Komponist selbst am Beispiel des ersten Klavierstückes op. 11, T. 12 f. Peter Roggenkamp erklärt dazu: ,Die Anweisung mit Dämpfung (3. Pedal) bezieht sich offensichtlich nicht auf das Tonhaltepedal, das heute oft als das 3. Pedal bezeichnet wird; gemeint ist eine zusätzliche Dämpfungsmöglichkeit an älteren Wiener Klavieren, der sogenannte Moderator, der den Klang mit Hilfe eines Filzstreifens auf einen äußerst geringen Lautstärkegrad reduzieren konnte.’ Die Stelle zeigt nicht ganz unmissverständlich, dass Schönberg nicht um einen Fixpunkt und die Möglichkeit eines feststehenden Klangideals – das des modernen Flügels – herumkomponierte, sondern dass er vielmehr Klangfarbenvorstellungen hatte, die ganz unterschiedliche Tasteninstrumente verschieden gut zu realisieren vermochten. Darüber hinaus ist es eine schlichte Tatsache, dass Flügel wie der hier verwendete Streicher – ein Modell, wie es Brahms bis zu seinem Tode besessen und überaus geschätzt hat – auch noch nach 1900 in Wien überall präsent waren und deren Klangideal deshalb naturgemäß mitbestimmend gewesen ist für Schönberg. Dazu passt auch die enorme Bedeutung, die alles Poetische und Feinsinnige für den Komponisten hatte: ,Nichts ist ihm zart und lyrisch genug', berichtet Else C. Kraus nach ihren Probem mit ihm. Auch wenn der Streicherflügel keinen Moderator besitzt – auf ihm lassen sich eben genau jene hauchzarten (vgl. op. 19 Nr. 6) Farben in idealer Form ausdrücken, die Schönberg verlangte. Und nicht zuletzt unterstützt der im Vergleich zum modernen Flügel eindeutig größere Obertonreichtum alter Claviere das Klangresultat, das Schönberg beispielsweise mit seiner Flageolett-Anweisung in op. 11, 1 vorschwebte.
Die vorliegende Einspielung sieht sich nicht als absolute, sondern als eine plausible Fassung, den Klangvorstellungen Schönbergs in möglichst umfassender Weise gerecht zu werden. Gleichzeitig stellt sie einen Gegenpol dar zu zahlreichen (vom Serialismus der 50er Jahre beeinflussten) Schönberg-Interpretationen, die das abstrakt Strukturalistische dieser Musik hervorkehren, dabei aber ihren Espressivo-Geist, ihre Kantabiblität und ihren Charme (vgl. op 23, 5) nivellieren.« (Hardy Rittner)

Der Echo Klassik ist einer der bekanntesten und bedeutendsten Musikpreise Deutschlands und wird seit 1992 jährlich vergeben. Am 17. Oktober 2010 findet die große Echo Gala in der Essener Philharmonie statt. 
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