Anlässlich von Arnold Schönbergs 70. Todestag sind seine im Nachlass überlieferten Testamente aus den Jahren 1915–1950 nunmehr digitalisiert und transkribiert über unser Bildarchiv zugänglich. Die mehrheitlich ohne juristischen Beistand formulierten Testamente beleuchten neben zu erwartenden erbrechtlichen Aspekten auch Künstlerisches.

Schönberg befasst sich vor allem mit dem idealen Personenkreis bezüglich Entscheidungen über nachgelassene Werke und Neuauflagen.

In einem Dokument vom 30. Januar 1911 thematisiert er insbesondere die Fertigstellung der bis zum damaligen Zeitpunkt noch unvollendeten „Gurre-Lieder“ (durch Alexander Zemlinsky oder Anton Webern) und der Harmonielehre (durch Alban Berg im Verband mit Webern, Karl Linke und Heinrich Jalowetz).

In einem Testament vom 21. November 1915 überträgt der Komponist seiner ersten Ehefrau Mathilde, geb. Zemlinsky, die Verantwortung über sein künstlerisches Erbe. Die Veröffentlichung noch unpublizierter Werke wird ihr darin ebenso anheimgestellt wie die in Handexemplaren vorgenommenen „Anbringungen, Streichungen und Irrtümerverbesserungen“. Beschränkung ist hingegen für die Korrespondenz, Fotografien sowie andere außerkünstlerische „Materien“ formuliert. Die Aufgabenverteilung fällt spezifisch aus. Alexander Zemlinsky und Anton Webern sollten über die Korrektur von „rhythmische[n] Flüchtigkeiten“ wachen, Marie Pappenheim ist die Verantwortung für die Auswahl von Briefen für Publikationszwecke übertragen. Allerdings: „Es ist wohl wahr, dass man sich der Taktlosigkeit der Historiker und anderer müßiger Schnüf[f]ler aussetzt. Trotzdem aber würde ich nicht wie Brahms die Spuren der Wege und Irrwege, die zu meinen Werken führen, verwischen wollen.“

In späteren Testamenten sollten auch Interpreten mit Aufgaben der Arbeit am Nachlass betraut werden. Sein Schwager, der Geiger Rudolf Kolisch, genoss hierbei Schönbergs vollstes Vertrauen: „Rudi versteht meine Musik wohl am besten.“ (1. Oktober 1950)

Am 13. Juli 1951 verstarb Arnold Schönberg in seinem Haus im kalifornischen Exil. Sein Nachlass umfasste neben der Immobilie auf der Rockingham Avenue im Stadtteil Brentwood Park sonstige Vermögenswerte, die in einem notariellen Anlagenverzeichnis zum Verlassenschaftsakt zusammengefasst wurden. Schönbergs zweite Ehefrau Gertrud, geb. Kolisch, war von ihrem Mann als Alleinerbin eingesetzt worden, womit auch der hauptverantwortliche Umgang mit dem künstlerischen Vermächtnis verbunden war. Im Testament vom 1. Oktober 1950 sind Sachverständige für die Herausgabe unpublizierter Kompositionen und Schriften genannt: Josef Polnauer, Josef Rufer, Erwin Stein, Erwin Ratz, Rudolf Kolisch, Roberto Gerhard, Karl Rankl sowie Georg Schönberg. Von einer Interaktion mit den Materialien „gänzlich ausgeschlossen bleiben“ sollte Theodor Wiesengrund Adorno.

Link: Arnold Schönbergs Testamente im Bildarchiv