Arnold Schönbergs Arbeitszimmer aus seinem Wohnhaus in Brentwood Park/Los Angeles ist in einer Replik am Arnold Schönberg Center zu sehen. Der Raum entspricht in seinen Dimensionen dem ursprünglichen Arbeitszimmer des Komponisten (16 m2) und enthält eine Vielzahl von Objekten, die dessen Denkumgebung dokumentieren.

Ein weiterer Raum stand Schönberg für handwerkliche Tätigkeiten zur Verfügung. Gegenstände, die teilweise in diesem »zweiten Zimmer« entstanden sind, wurden aus Gründen der Anschaulichkeit in die sogenannte Replica of Study integriert. Im musealen Arbeitszimmer in Wien deutet ein Theaterprospekt den Driveway an der 116 North Rockingham Avenue an, den Schönberg von seinem Fenster aus im Blick hatte.

Die Replica of Study, die hier durch die Tochter des Komponisten, Nuria Schoenberg Nono, erklärt wird, enthält originales Mobiliar, Instrumente, Arbeitsutensilien, Werkzeuge, Basteleien, Spiele sowie einen frühen Kopierapparat.

Besucher:innen des Arnold Schönberg Center ist der Eintritt in die Replica of Study aus konservatorischen und sicherheitstechnischen Gründen verwehrt. Selbst die Archivar:innen treten nur selten hinter die trennende Glasscheibe. Die niedrige Besucher:innenfrequenz des Center im Frühjahr und Sommer 2020 nahmen wir zum Anlass, ein bislang nicht verfügbares digitales Inventar anzulegen.

Im Rahmen des Digitalisierungsprojekts wurden sämtliche Original-Objekte fotografiert und dem Bestand des Online-Bildarchivs zugeführt. Die Realisierung erfolgte mithilfe einer sogenannten »Lightbox«, einem würfelförmigen Rahmen mit weißen Leinwänden, mit der die Objekte gleichmäßig ausgeleuchtet und detailliert in Szene gesetzt werden konnten. Fotografiert wurde mit einer Sony Alpha 6000, für eine hohe Bildschärfe sorgte ein Festbrennweiten-Objektiv von Sigma (30mm). Alltäglichem Büroequipment von damals wurde bei den Aufnahmen ebenso viel Aufmerksamkeit zuteil wie einer Vielzahl von Schönberg selbst hergestellten Arbeitsutensilien und Gesellschaftsspielen. Über einen Zeitraum von zwei Monaten entstanden auf diese Weise eine Vielzahl von Fotos, die ab sofort im Online-Bildarchiv des Arnold Schönberg Center zu sehen sind und einmal mehr Zeugnis über den vielseitig kreativen Geist Arnold Schönbergs ablegen.

Beim Durchstöbern der Bestände stößt man mitunter auf scheinbare Kuriosa, wie einen Hut der Firma Dobbs, den Schönberg laut Stanzung im Lederband bei Bullock’s erwarb. Seit Kalifornien im Jahr 1936 zu seiner neuen Heimat geworden war, besuchte er die Kaufhauskette regelmäßig. Seine Adresskartei verzeichnet drei Filialen in Westwood, Wilshire und Downtown Los Angeles, auf deren Namen er regelmäßig Verrechnungsschecks ausstellte.

Auf völlig anderer Ebene bieten diverse Tuschefedern Einblicke in Schönbergs Alltag. Der Komponist bewahrte seine Arbeitsmaterialien in selbstgefertigten Kästen auf, für die er ausrangierte Gegenstände wie das Deckblatt eines Zeichenblocks seiner Kinder verwendete. Die archivarische Dokumentation jeder einzelnen Feder ist gerechtfertigt angesichts der Aufmerksamkeit, die Schönberg selbst den Dingen widmete: in seinem Kalender des Jahres 1939 sind detaillierte Angaben zum Erwerb neuer Schreibmittel notiert.

Näher zu Schönbergs Denken führt ein kleines Metallkästchen, das die Entstehung seiner Schrift Der musikalische Gedanke begleitete. Auf über 200 Kärtchen verzeichnete er mit Feder oder Schreibmaschine Verweise auf die Manuskriptfassung. Der Zweck dieser Auflistung geht über ein reines Stichwortverzeichnis hinaus – die Kartei dokumentiert Schlüsselbegriffe im musikalischen Denken des Komponisten, die ihm als ständige Referenz bei der Entstehung seines musiktheoretischen Hauptwerks dienten.

Christoph Edtmayr, Eike Feß, Therese Muxeneder