Arnold Schönbergs Manuskripte zu »Moses und Aron« sowie seine Studien und Figurinen zu Bühnenwerken sind Teil der Ausstellung »Die Oper als Welt – Die Suche nach einem Gesamtkunstwerk« am Centre Pompidou-Metz.

 »Die Ausstellung ›Opéra Monde. La quête d’un art total‹ (22. Juni 2019 – 27. Januar 2020) kreist um Begegnungen zwischen bildender Kunst und dem lyrischen Operngenre im 20. und 21. Jahrhundert. Dabei soll es um mehr gehen als Opern-Bühnenbilder von Künstlerhand. Im Fokus steht vielmehr die Frage, inwiefern sich – in Anlehnung oder auch Widerspruch zum Wagnerschen Begriff des ›Gesamtkunstwerkes‹ – bildende Kunst und Oper gegenseitig befruchtet oder sogar beeinflusst haben. Im Kontext dieses gegenseitigen Gebens und Nehmens erweist sich die Oper als geeignetes Terrain und Katalysator für die Erprobung neuer ästhetischer und politischer Formen.

Die Oper zum Ausstellungssujet zu machen ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Die Angst, der letzte Vorhang werde dort bald schon fallen, ist längst Geschichte. Obwohl sich die berühmte Forderung von Pierre Boulez aus dem Jahr 1967 – ›Sprengt die Opernhäuser in die Luft‹ – in den 1970ern wie ein Fluch auf dem Genre zu liegen schien, kann man heute sagen, dass die Oper im ganzen 20. Jahrhundert und insbesondere in den vergangenen Jahrzehnten viele bedeutende und bemerkenswerte Kreationen hervorgebracht hat. Die seinerzeit prophezeite Kultur des Spektakels hat sich vieler anderer künstlerischer Bereiche bemächtigt. Die Oper als Ort des Spektakulären macht es seither möglich, die Theatralität, die den Bereich der zeitgenössischen Kunst nach vornehmlich konzeptuellen Jahren zunehmend erobert, aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten.

In der Ausstellung zu sehen sind Modelle, Kostüme und Bühnenelemente sowie imposante Installationen und neue Kreationen. Der Rundgang, der von Bildern und Klängen begleitet wird, offenbart, dass die Oper gleichsam Fabrik gemeinsamer Künstlerträume und Symbol der Freiheit ist. Beginnend mit den Bühnenexperimenten der ersten Avantgarden wie etwa Arnold Schönbergs ›Die glückliche Hand‹ (1910–1913) über Kompositionen wie ›Saint François d’Assise‹ von Olivier Messiaen, die längst einen festen Platz in den Spielplänen der großen Opernhäuser haben, bis zu experimentelleren, gleichwohl ikonischen Opern wie ›Einstein on the beach‹ von Philip Glass und Bob Wilson, nimmt Opera Welte eine neue Kartierung interdisziplinärer Kunst vor. Die Ausstellung ist in verschiedene Themenabschnitte gegliedert, die von der Bühne als bewegtem Gemälde bis zu radikaleren politischen und bisweilen utopischen Formen und Orten der Oper reichen, ohne dabei das Feld der Märchen und des Sagenhaften auszulassen. Im Fokus steht dabei eine Auswahl von Kompositionen, die exemplarisch für die fruchtbaren Beziehungen zwischen Bühne und Kunst sind. Auch einige Klassiker wie die ›Zauberflöte‹ oder ›Norma‹ finden Eingang in die Ausstellung, um zu zeigen, wie eine mutige Programmgestaltung Raum für Überschreitungen und Veränderungen bieten kann und gleichzeitig den Fortbestand des Genres sichert.«

Kurator: Stéphane Ghislain Roussel

Abbildung: Arnold Schönberg, »Die glückliche Hand« op. 18 (2. Bild), 1910 © Belmont Music Publishers, Pacific Palisades / Bildrecht, Wien, 2019

 

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