Objekt #32 / Langbathsee

30. Juli 1907

Privatbesitz

Mit Freunden und Verwandten setzte Arnold Schönberg mit dem Schiff gerne nach Ebensee über, dem volksnahen Gegenpol zum aristokratisch-bürgerlichen Gmunden an der Südseite des Traunsees, 8 km von den beiden Langbathseen entfernt. Auf einer Ansichtskarte an den amerikanischen Maler und Bildhauer William Clarke Rice unterschrieben die Sängerin Mela Guttmann Rice, Ida Zemlinsky (geb. Guttmann), Mathilde Schönberg, der Maler Richard Gerstl, die Komponisten Alexander Zemlinsky und Arnold Schönberg.

1895 war Schönberg dem »Musikalischen Verein Polyhymnia« unter dessen Leiter Alexander Zemlinsky beigetreten. Unter Zemlinskys Anleitung und bestärkt durch Einbindung in einen erweiterten Künstlerkreis hatte sich in Schönbergs Komponieren innerhalb weniger Jahre eine rasante Entwicklung vollzogen. Manche Freundschaften, die teils bis in die »Polyhymnia«-Zeit zurückreichten, blieben über Jahrzehnte bestehen, so zu Melanie (Mela) Guttmann. Mela Guttmann war Sängerin und trat bei der »Polyhymnia« solistisch hervor, etwa bei der Uraufführung von Zemlinskys »Waldgespräch«, einer Ballade für Sopran, Streicher, zwei Hörner und Harfe, welcher sie »mit ihrer schönen, gutgeschulten Stimme und musikalischem Vortrage zum Siege verhalf.« Die Jugendfreundin Mathilde Zemlinskys war Studentin am Wiener Konservatorium und Stipendiatin der Hofoper. Mit Zemlinsky, der ihr einige seiner Lieder widmete, verband sie neben der künstlerischen auch eine Liebesbeziehung. Nach der Auflösung ihrer beider Verlobung heiratete sie den amerikanischen Maler und Bildhauer William Clarke Rice, mit dem sie ab 1901 in New York lebte. Dort unterrichtete sie in den folgenden Jahrzehnten Gesang und konzertierte regelmäßig. Am 21. Juni 1907 heiratete Zemlinsky Melanies Schwester Ida Guttmann. Der Hochzeit ging eine protestantische Taufe der Brautleute voraus, bei der Schönberg am 11. Juni 1907 als Pate anwesend war.
Schönberg gab in einer handschriftlichen Notiz von 1934 an, ab 1906 gemalt zu haben. Im Frühjahr jenes Jahres hatte er Richard Gerstl, einen Studenten von Heinrich Lefler an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, kennengelernt. Gerstl sprach den Komponisten nach einem Konzert an und fragte ihn, ob er für ein Portrait zur Verfügung stünde. Otto Breicha berichtet (unter Angabe einer Mitteilung von Gerstls Bruder Alois), Richard habe wiederholt versucht, Amateure zur Malerei zu animieren, darunter das Ehepaar Schönberg.
Nach einem gemeinsam in Gmunden verbrachten Sommeraufenthalt 1907 bezogen die Ferienpläne Schönbergs den Freund auch im darauffolgenden Jahr mit ein – mit folgenschweren Konsequenzen für alle Beteiligten: Richard Gerstl beging im November 1908, einige Monate nach dem Bekanntwerden seiner Affäre mit Mathilde Schönberg, Selbstmord.

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