Schönberg war der erste, der endgültig jedes Band mit der Tonalität gelöst hat. Und von dem Tag an, der nun schon weit zurückliegt (3 Klavierstücke) hat sich dieser Mann auf dem gleichen Weg immer weiter vorwärts bewegt und hat – in heldenhaftem Ringen mit der grausamen Verständnislosigkeit seiner Zeitgenossen und sogar mit dem Elend – ein musikalisches Gebäude errichtet, das heute eine der größten schöpferischen Leistungen der gesamten Musikgeschichte vorstellt. Werke, wie der »Pierrot« und die »Orchesterstücke« können von Fall zu Fall begeistern oder auch aufreizen, aber es sind Werke, über die es eine Erörterung nicht mehr gibt, insofern als sie sich niemals als mehr oder weniger geglückte Versuche einer neuen Klangtechnik werden werten lassen, sondern sich vielmehr als wunderbarer Ausdruck eines ganz besonderen Empfindens darbieten, dessen musikalische Sprache in ihrer herrlichen Vollendung ihresgleichen nicht hat, es wäre denn die eines Bach, eines Mozart oder eines Chopin.

Arnold Schönberg zum 50. Geburtstage, 13. September 1924. Sonderheft der Musikblätter des Anbruch, 6. Jg., August-September-Heft 1924, S. 285
 

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