1. Traumleben (Julius Hart)
Text und Quellen | Aufnahmen
2. Alles (Richard Dehmel)
Text und Quellen | Aufnahmen
3. Mädchenlied (Paul Remer)
Text und Quellen | Aufnahmen
4. Verlassen (Hermann Conradi)
Text und Quellen | Aufnahmen
5. Ghasel (Gottfried Keller)
Text und Quellen | Aufnahmen
6. Am Wegrand (John Henry Mackay)
Text und Quellen | Aufnahmen
7. Lockung (Kurt Aram)
Text und Quellen | Aufnahmen
8. Der Wanderer (Friedrich Nietzsche)
Text und Quellen | Aufnahmen
AUFFÜHRUNGSDAUER: ca. 20 Min.
VERLAG:
Universal Edition
Belmont Music Publishers (USA, Kanada, Mexico)
Die Komposition der Acht Lieder op. 6 erstreckte sich auf Dezember 1903/Januar 1904 (»Verlassen«, »Traumleben«, »Ghasel«) – in unmittelbarer Nähe zu op. 3 Nr. 2 und 5 – sowie September/Oktober 1905. Die Texte zu fünf Liedern aus op. 6 entnahm Schönberg der Anthologie »Neue Lieder der besten neueren Dichter für’s Volk«. Zu Julius Harts verinnerlichtem Gedicht »Traumleben« und dessen Farb- und Stimmungsmomenten fand Schönberg ein Korrelativ in Form einer harmonischen Oszillation zwischen E-Dur und F-Dur, welche nur stellenweise »textmalerisch« vertieft wird, etwa in der Ornamentik der »Nachtigallen«.
Die Faktur des Dehmel-Liedes »Alles« wird durch das Intervall der kleinen Sekund als Grundzelle bestimmt: ein Vorgedanke auf das Prinzip, eine charakteristische Intervallfolge als formbildenden Parameter einzusetzen. Trübungen und Ausweichungen der Tonart lassen die Tendenz zum Verlassen des tonalen Pfades As-Dur erkennen. Erscheint der Dreiklang der ersten Stufe in der Grundtonart hier erst im letzten Takt, so ist im siebten Lied aus op. 6, »Lockung«, der Schritt zur ›schwebenden Tonalität‹ endgültig vollzogen: »Der vielleicht interessanteste Aspekt dieses Liedes [...] ist, daß die Tonika von Es-Dur im ganzen Stück nicht vorkommt.« (Arnold Schönberg, »Die formbildenden Tendenzen der Harmonie«). In der »Harmonielehre« wird als Indikator ›schwebender Tonalität‹ die Lockerung von einem Grundton beschrieben, der »von vornherein nicht eindeutig bestimmend« auftritt, sondern »die Rivalität anderer Grundtöne [hier die Untermediante] neben sich aufkommen« lässt.
Matthias Schmidt | © Arnold Schönberg Center

