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1934 • Franz Werfel: Hommage

In Arnold Schönbergs Persönlichkeit und Kunst verehren wir vor Allem das unerbittliche Streben nach dem Absoluten, eine Willensgröße und ein Vollkommenheitsideal, das einer zwecktrüben und sinnzermürbten Zeitgenossenschaft kaum mehr begreiflich ist. In seiner Hingabe an das Unbedingte ist dieser Meister der Musik am ehesten mit den alten Meistern der Kabbala zu vergleichen. Wie diese durch die »Heiligung des Namens« das Göttliche in die irdische Sphäre ziehen wollten, so versucht Arnold Schönberg durch die Heiligung des Kunstwerks, das heißt durch Ausschaltung aller unreinen Nebenzwecke (Wirkung, Erfolg, Eingänglichkeit) das Absolute in die Welt der Töne zu ziehen. So vollbringt er in der starken und mutvollen Einsamkeit des Mystikers, jenseits von Zustimmung und Teilnahme, ein Werk der hohen Zwiesprache, über welches eine geistigere Zeit als die unsere ein Urteil finden wird.

Arnold Schönberg zum 60. Geburtstag, 13. September 1934. Wien 1934, p. 14

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