VEREHRTER HERR DIREKTOR
Eine neue digitale Briefedition erschließt Arnold Schönbergs Verlagsbeziehungen und seine Arbeitswelt. Die Briefwechsel zwischen dem Komponisten und den Musikverlagen Dreililien sowie Universal-Edition umfassen 1.600 Schriftstücke aus vier Jahrzehnten.
Die Korrespondenz vermittelt eine von gemeinsamen Interessen und Unternehmungen ebenso wie von Konflikten geprägte Beziehung, die nahezu Schönbergs gesamte professionelle Laufbahn umfasst, Wirkungsbereiche und Lebenswelten auf zwei Kontinenten berührt.
In der ersten Publikationsstufe präsentiert die Ausgabe Briefe, Telegramme, Ansichtskarten, Dokumente und andere Korrespondenzstücke in drei Erscheinungsformen: Als Digitalisat der edierten Quelle, einer textkritischen Fassung sowie einer editionsphilologisch schlankeren Lesefassung. Die digitale Edition bietet die Möglichkeit, überlieferte dynamische Prozesse und Netzwerke durch flexible Strukturen und vielfältige Navigationswege nachzuvollziehen. Verlinkungen zwischen Briefen, Dokumenten und Registern offenbaren Beziehungen zwischen Personen und Organisationen von Wien bis Los Angeles, Verbindungen von Werken und Schriften, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Kommunikationssträngen.
Anfang des 20. Jahrhunderts publizierte Schönberg seine ersten Opera im Verlag Dreililien in Berlin. Diese gingen 1912 in das Verlagsprogramm der Universal-Edition in Wien über. Dort veröffentlichte er bis zu seiner durch den Nationalsozialismus erzwungenen Emigration in die USA im Jahr 1933 die Mehrzahl seiner musikalischen Werke und Schriften.
Der Briefwechsel erlaubt Einblicke in die Herstellung der Noten vom Manuskript bis zu den gedruckten Partituren und Stimmen für die Musiker:innen. Aufführungsanbahnungen, interpretatorische und aufführungspraktische Grundsatz- und Detailfragen werden gleichermaßen debattiert wie Fragen zur Modernisierung der Musikvermittlung.
Die Verleger fungieren in der Korrespondenz auch als Projektionsfläche von Schönbergs ästhetischen Ansichten, Weltanschauungen, seinen Polemiken. Nicht zuletzt werden kulturpolitische Mechanismen und Aspekte der Rezeption durch Publikum und Kritik erörtert.
Projektteam
Mag. Dr. Therese Muxeneder
MMag. Katharina Bleier PhD
Jannik Franz BA MA
Philipp Kehrer BA MA
Das vom FWF – Österreichischer Wissenschaftsfonds geförderte Editionsprojekt wird an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien in Kooperation mit dem Arnold Schönberg Center in Wien sowie dem Staatlichen Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz in Berlin durchgeführt.

