Arnold Schönberg, ca. 1926

1874
Arnold Schönberg wird am 13. September als Sohn des Samuel und der Pauline Schönberg (geb. Nachod) in Wien II., Obere Donaustraße 5 (vor der Eingemeindung der Wiener Vorstädte: Brigittenau 393), geboren. Samuel Schönberg wird im dortigen »Handels- und Gewerbeadreßbuch« als »Schuhw[aren]-F[abrikant]« geführt. Schönbergs am 20. Dezember 1872 geborene Schwester Adele stirbt am 8. Mai an Gehirnhautentzündung.

1876
Übersiedlung in die Theresiengasse 5 (ehedem Leopoldstadt 894). Geburt der Schwester Ottilie am 9. Juni.

1880
Übersiedlung in die Taborstraße 48. Eintritt in die Volksschule (Kleine Pfarrgasse 33).

1882
Geburt des Bruders Heinrich am 29. April. Violinunterricht.

1883
»Als noch nicht neunjähriges Kind hatte ich angefangen, kleine und später größere Stücke für zwei Violinen in Nachahmung solcher Musik zu komponieren, die ich mit meinem Lehrer oder einem Cousin zu spielen pflegte. Als ich Violinduos von Viotti, Pleyel und anderen zu spielen vermochte, ahmte ich ihren Stil nach.«
(»Bemerkungen zu den vier Streichquartetten« 1949)

1884
Samuel Schönberg unterhält ein Kommissions- und Inkassogeschäft in der Kleinen Pfarrgasse 31.

1885
Besuch der k.k. Oberrealschule in der Vereinsgasse.

Komponiert Märsche, Polkas.

1889
Tod des Vaters an einer Lungeninfluenza.

1891
Verlässt am 22. Januar die Schule (Zeugnisse) und beginnt als Lehrling in der Privatbank Werner & Co.
»Alle Kompositionen, die ich vor meinem siebzehnten Jahr geschrieben habe, sind nichts als Imitationen solcher Musik, die mir zugänglich war. Die einzigen Quellen, aus denen ich schöpfen konnte, waren Violinduette und Arrangements von Opernpotpourris für zwei Violinen, wozu noch die Musik gerechnet werden darf, die ich durch Militärkapellen kennenlernte, die in öffentlichen Gärten Konzerte gaben.« (»My Evolution« 1949)

1892
Übersiedlung in die Große Stadtgutstraße 10.
»Meyers Konversationslexikon (eine Enzyklopädie, die wir auf Raten kauften) hatte den langersehnten Buchstaben ›S‹ erreicht und ermöglichte es mir, unter ›Sonate‹ zu erfahren, wie ein erster Satz eines Streichquartetts gebaut sein sollte. Zu der Zeit war ich ungefähr achtzehn Jahre alt.« (»Bemerkungen zu den vier Streichquartetten« 1949)

1893
Übersiedlung in die Theresiengasse 5 (im folgenden Jahr umbenannt in Adambergergasse). 
Komponiert im Sommer in Kierling bei Wien das erste vollständig erhaltene Werk »In hellen Träumen hab ich Dich oft geschaut« für Gesang und Klavier nach einem Text von Alfred Gold, den Schönberg durch seinen Freund und Mentor David Josef Bach kennenlernte.

1894
Als Mitglied des Dilettantenorchesters »Polyhymnia« lernt er seinen künstlerischen Mentor und späteren Schwager Alexander Zemlinsky kennen. Übersiedelt in die Leopoldgasse 9.
Erhält für das »Schilflied« einen Preis der »Polyhymnia«. Komponiert im Oktober Drei Klavierstücke.

1895
Kündigung der Anstellung bei Werner & Co. Übernimmt Dirigate beim Mödlinger Gesangsverein »Freisinn«, dem Männergesangsverein Meidling sowie die Chormeisterstelle des Metallarbeiter-Sängerbunds Stockerau. 
»Ei du Lütte« für vierstimmigen gemischten Chor a capella.

1896
Auf Anregung Richard Heubergers entstehen die Sechs Stücke für Klavier zu vier Händen. Arbeitet zwischen dem 1. September und 30. November an einer Serenade für kleines Orchester, welche unvollendet bleibt.

1897
Beginnt am 22. März mit einer Gavotte und Musette für Streichorchester (im alten Style).
Scherzo F-Dur für Streichquartett (datiert mit 27. Juli). Mädchenfrühling für Gesang und Klavier (datiert mit 15. September).
Legt Alexander Zemlinsky ein Streichquartett D-Dur vor.

1898
Konvertiert am 25. März vom mosaischen zum protestantischen Glauben.
Unterrichtet seine erste Schülerin Wilma Weber von Webenau.
Bricht im Juli die Komposition der symphonischen Dichtung »Frühlings Tod« nach Nikolaus Lenaus Gedicht »Warum, o Lüfte, flüstert ihr so bang« ab. Zwei Gesänge op. 1 für eine Baritonstimme und Klavier (Herbst).
Auf Vermittlung Zemlinskys wird Schönbergs »Nulltes« Streichquartett D-Dur am 20. Dezember im Wiener Musikverein durch das Fitzner-Quartett aufgeführt.

1899
Leitet den Männergesangsverein »Beethoven« in Heiligenstadt. Beginn der Beziehung zu Alexander Zemlinskys Schwester Mathilde. Sommeraufenthalt in Payerbach.  
»Die Beiden« für Gesang und Klavier (datiert mit 2. April). »Mailied« für Gesang und Klavier (8. bis 9. Mai). »Gethsemane« von Richard Dehmel für eine Männerstimme und Orchester (unvollendet). Vier Lieder op. 2 für eine Singstimme und Klavier (Sommer/Winter). Im September entsteht während eines Ferienaufenthalts mit Alexander Zemlinsky und dessen Schwester Mathilde in Payerbach das Streichsextett Verklärte Nacht op. 4 (Endfassung datiert mit 1. Dezember) nach einem Gedicht von Richard Dehmel.

1900
Leitet Arbeiterchöre. Begegnung mit Alma Maria Schindler, der späteren Frau Gustav Mahlers.  
Beginnt am 12. Februar mit einer Symphonie in G-Dur (Fragment). Durch ein Preisausschreiben des Wiener Tonkünstler-Vereins wird Schönberg zur Komposition der »Gurre-Lieder« angeregt. Über die kompositorischen Eckdaten gibt er in einem Brief an Alban Berg Auskunft: »Im März-April 1900 habe ich den ersten und II. Theil komponiert. [...] März (also anfangs 1901) Rest vollendet!! Dann Instrumentation im August 1901 begonnen [...] Mitte 1902 fortgesetzt. [...] 1903 zuletzt daran gearbeitet und fertig gestellt bis ca. Seite 118. Daraufhin liegengelassen und ganz aufgegeben! Wieder aufgenommen Juli 1910. Alles instrumentiert bis auf den Schlußchor. Den vollendet in Zehlendorf 1911.« »Gruß in die Ferne« für Gesang und Klavier (die 1. Fassung ist mit 19. August datiert).

1901
Am 18. Oktober heiratet Schönberg Mathilde Zemlinsky in der lutherischen Pfarre, Wien, Innere Stadt. Die erste Wohnung des jungen Ehepaares liegt in Wien IX., Porzellangasse 53,
Übersiedlung nach Berlin im Dezember. Anstellung als Kapellmeister an Ernst von Wolzogens literarischem Kabarett »Überbrettl«.
Vom 18. Juni bis 28. Juli Arbeit an dem Opernfragment »Die Schildbürger« (dramatische Einrichtung der gleichnamigen Erzählung von Gustav Schwab). Komponiert zwischen April und September acht Lieder, u. a. aus einer Anthologie »Deutsche Chansons (Brettl-Lieder)«, und bietet sie Ernst von Wolzogen (Gründer des Berliner literarischen Kabaretts »Überbrettl«) an, der aus dem Kompendium sowohl den »Nachtwandler« als auch »Jedem das Seine« erwirbt. Für das Wiener Theater »Zum lieben Augustin« komponiert Schönberg »Seit ich so viele Weiber sah« aus dem »Spiegel von Arkadien« von Emanuel Schikaneder. Die nach ihrem Entstehungsanlass erst posthum benannten »Brettl-Lieder« führen zu einer Anstellung Schönbergs als Kapellmeister am Berliner »Überbrettl«, welche er am 16. Dezember antritt.

1902
Geburt der Tochter Gertrude am 8. Januar. Auf Empfehlung von Richard Strauss wird Schönberg eingeladen, am Stern'schen Konservatorium in Berlin Unterricht in Harmonielehre zu erteilen. 
Uraufführung der »Verklärten Nacht« im Kleinen Musikvereinssaal in Wien durch das Rosé-Quartett am 18. März. Unterbrechung der Arbeit an den »Gurre-Liedern«. Begegnung mit Oscar Straus, Viktor Holländer, Bogumil Zepler sowie Robert Fischhof, deren Operetten er instrumentiert.

1903
Im Spätsommer kehrt Schönberg mit Frau und Tochter nach Wien zurück. Begegnung mit Gustav Mahler.
Bezieht mit Mathilde und Gertrude eine Wohnung in der Liechtensteinstraße 68/70.
»Deinem Blick mich zu bequemen« für Gesang und Klavier (1. Fassung datiert mit 3. Januar).
Im Februar vollendet Schönberg die im April des Vorjahres begonnene symphonische Dichtung »Pelleas und Melisande« op. 5. Arbeitet an dem als Fragment erhaltenen Chorlied mit Orchester »Darthulas Grabgesang« nach einer Goethe-Übersetzung. Schließt mit den Gottfried-Keller-Vertonungen »Geübtes Herz« und »Die Aufgeregten« die Sechs Lieder op. 3 ab – darunter auch »Freihold« (November 1900), »Hochzeitslied« (1901) und »Warnung« (Mai 1899).
Instrumentationen, Arrangements für Klavier zu zwei oder vier Händen, darunter die vierhändigen Klavierauszüge aus Rossinis Oper »Der Barbier von Sevilla«, Lortzings »Waffenschmied« sowie Schuberts »Rosamunde« für die Universal Edition in Wien. Beginnt Ende November mit der Erstniederschrift von »Das Wappenschild« (op. 8 Nr. 2, abgeschlossen im April 1904). Es folgt »Natur« nach einem Text von Heinrich Hart (op. 8 Nr. 1, komponiert zwischen 18. Dezember 1903 und 7. März 1904).

1904
Gründet mit Zemlinsky die »Vereinigung schaffender Tonkünstler«. Verbringt die Sommermonate bei den Eltern seines Jugendfreundes David Josef Bach in Mödling.
Im Wintersemester 1904/05 unterrichtet Schönberg an den »Schwarzwaldschen Schulanstalten« in der Wallnerstraße am Kohlmarkt. Seit Herbst zählen Alban Berg und Anton Webern zu seinen Schülern.
Skizziert im März eine Fuge für Streichquartett d-Moll, welche unvollendet bleibt. Arbeitet im Sommer zusammen mit Alexander Zemlinsky an Instrumentierung und Klavierauszug der Oper »Bergkönig« von Robert Fischhof sowie an seinem Ersten Streichquartett d-Moll op. 7 und den Orchesterliedern op. 8. Schließt am 3. Juli die Partiturreinschrift von »Nie ward ich, Herrin, müd« op. 8 Nr. 4 ab und beginnt mit »Voll jener Süße« op. 8 Nr. 5 nach einem Text von Petrarca. Arbeitet an einem Streichquintett in D-Dur (als Fragment überliefert) sowie weiter an den Orchesterliedern.

1905
Verbringt den Sommer mit seiner Familie in Gmunden am Traunsee.
Uraufführung von »Pelleas und Melisande« op. 5 unter Schönbergs Leitung am 25. Januar im Großen Musikvereinssaal. Schließt am 6. April mit »Sehnsucht« die Sechs Orchesterlieder op. 8 und am 26. September in Gmunden am Traunsee das Erste Streichquartett d-Moll op. 7 ab. Vollendet im September/Oktober Acht Lieder op. 6, deren Entstehung teils bis Dezember 1903/Januar 1904 (»Verlassen«, »Traumleben«, »Ghasel«) zurückgeht und arbeitet an dem einsätzigen Fragment »Ein Stelldichein« (datiert mit 21. Oktober). Zwischen April und September entstehen sieben Kanons sowie Liedentwürfe und die Skizze zu einer Symphonie g-Moll.

1906
Geburt des Sohnes Georg am 22. September.
Vollendet am 25. Juli in Rottach-Egern am Tegernsee die Kammersymphonie für 15 Soloinstrumente op. 9, »das letzte Werk meiner ersten Periode, das aus nur einem durchgehenden Satz besteht.« Beginnt die Zweite Kammersymphonie (vollendet 1940 als op. 38).

1907
Beginn einer intensiven Beschäftigung mit der Malerei. Befreundet sich mit dem Maler Richard Gerstl.
Komponiert für ein Preisausschreiben »Friede auf Erden« op. 13 für gemischten Chor a capella; Entwürfe finden sich zwischen 14. August 1906 und 9. März 1907. In derselben Periode entsteht das Opernfragment »Und Pippa tanzt« nach Gerhart Hauptmanns »Glashüttenmärchen«.
Uraufführung der Kammersymphonie op. 9 durch die Bläservereinigung des Wiener Hofopernorchesters und das Rosé-Quartett im Großen Musikvereinssaal am 8. Februar. Zwischen März und April komponiert Schönberg Zwei Balladen op. 12 für Gesang und Klavier.
»Ich darf nicht dankend« op. 14 Nr. 1 für Gesang und Klavier (datiert mit 17. Dezember) und zahlreiche weitere Liedskizzen.

1908
Verbringt den Sommer am Traunsee.
»In diesen Wintertagen« op. 14 Nr. 2 für Gesang und Klavier (datiert mit 2. Februar). Schließt in Gmunden am Traunsee das II. Streichquartett op. 10 ab, dessen Kompositionsbeginn auf März des Vorjahres zurückgeht. Der dritte Satz datiert mit 11. Juli, der zweite mit 27. Juli, auch der vierte Satz dürfte noch in Gmunden komponiert worden sein. Das Werk stellt sowohl in der Materialverwendung als auch gattungshistorisch – die Beteiligung einer Sopranstimme löst die Besetzungsnorm des Streichquartetts auf – eine Schnittstelle innerhalb Schönbergs Œuvre dar, das in jener Periode durch einen Bruch mit der musikhistorischen Tradition – Auflösung der Tonalität und Übergang zur expressionistischen Periode – gekennzeichnet wird. Uraufführung des II. Streichquartetts op. 10 am 21. Dezember durch das Rosé-Quartett und Marie Gutheil-Schoder.

1909
Verbringt den Sommer zusammen mit seiner Familie, Alexander Zemlinsky, Alban Berg, Anton Webern und Max Oppenheimer in Steinakirchen bei Amstetten.
Entwirft eine Notenschreibmaschine, welche dem Patentamt in Wien vorgelegt wird.
»Am Strande« für Gesang und Klavier nach Rainer Maria Rilke (datiert mit 8. Februar). Komponiert im Februar und August Drei Klavierstücke op. 11 (»die erstpublizierte Musik dieser Art«, welche »demgemäß eine große Sensation herbeiführte«) und vollendet den im März des Vorjahres begonnenen Liederzyklus Fünfzehn Gedichte aus »Das Buch der hängenden Gärten« von Stefan George op. 15, mit dem er »alle Schranken einer vergangenen Ästhetik« durchbricht. 
Schönberg komponiert von 23. Mai bis 11. August in der Sommerfrische in Steinakirchen die Fünf Orchesterstücke op. 16 »(zwischen 1 und 3 Minuten Dauer) ohne cyklischen Zusammenhang [...] ein bunter ununterbrochener Wechsel von Farben, Rhythmen und Stimmungen.« Dort lernt er die junge Ärztin und Literatin Marie Pappenheim kennen, welche den Text zum Monodram »Erwartung« op. 17 verfasst. Die Erstniederschrift dieser Komposition für Sopran und Orchester entsteht zwischen 27. August und 12. September. Die Partitur ist mit 4. Oktober datiert.

1910
Bezieht eine Wohnung in Hietzing, wo er sich intensiv mit der Malerei beschäftigt.
Erste Ausstellung der Gemälde in der Galerie Heller, Wien. Lesungen an der Akademie für Musik.
Am 14. Januar wird in Wien der erste Teil der »Gurre-Lieder« aus dem Klavierauszug erstaufgeführt.
Mit 8. Februar datieren zwei der Drei Stücke für Kammerorchester, Nr. 3 bleibt Fragment. Schließt im Juni den Text zur Oper »Die glückliche Hand« op. 18 ab und beginnt am 9. September mit der Komposition, welche im November 1913 vollendet wird.

1911
Begegnung mit Wassily Kandinsky. Bezieht Ende September eine Wohnung in der Villa Lepcke, Berlin-Zehlendorf, Machnower Chaussee & Dietloffstraße. Vorträge über »Ästhetik und Kompositionslehre« am Stern’schen Konservatorium. Vier Gemälde werden in der Ausstellung »Der Blaue Reiter« in der Münchener Galerie Thannhauser gezeigt.
Am 19. Februar entstehen die ersten fünf der Sechs kleinen Klavierstücke op. 19, das letzte wird unter dem unmittelbaren Eindruck von Gustav Mahlers Begräbnis am 17. Juni 1911 skizziert. Im Juli schließt Schönberg sein im Vorjahr begonnenes theoretisches Hauptwerk, die »Harmonielehre«, mit einer Widmung an Gustav Mahler ab; am 7. November die Reinschrift der »Gurre-Lieder«-Partitur, am 9. Dezember »Herzgewächse« op. 20 für hohen Sopran, Celesta, Harmonium und Harfe.
Uraufführung von »Friede auf Erden« op. 13 (Fassung mit Orchester) mit dem Philharmonischen Chor und dem Wiener Tonkünstler-Orchester unter der Leitung von Franz Schreker am 9. Dezember in Wien.

1912
Reist auf Einladung Zemlinskys nach Prag, wo er »Pelleas und Melisande« dirigiert und eine Gedächtnisrede auf den im Vorjahr verstorbenen Gustav Mahler hält. Schüler und Freunde – darunter Wassily Kandinsky, Webern und Gütersloh – geben im Verlag Piper &  Co. in München die Anthologie »Arnold Schönberg« heraus.
Am 12. Juni stirbt Mathildes Mutter Klara Zemlinsky. Reist nach einem Amsterdam-Aufenthalt im Dezember nach St. Petersburg, um dort im Rahmen der Siloti-Konzerte »Pelleas und Melisande« zu dirigieren.
Generalbass-Bearbeitung von Georg Matthias Monns Konzert für Violoncello und Orchester g-Moll für die »Denkmäler der Tonkunst in Österreich«. Vertont auf Anregung der Schauspielerin Albertine Zehme am 12. März das erste von einundzwanzig Gedichten aus Albert Girauds »Pierrot lunaire« op. 21 für Sprechstimme und Kammerensemble, deren Stimmführung und Klänge von Schönberg als »geradezu tierisch unmittelbarer Ausdruck sinnlicher und seelischer Bewegungen« beschrieben werden.
Uraufführung der Fünf Orchesterstücke op. 16 unter der Leitung von Sir Henry Wood am 3. September in London. Uraufführung von »Pierrot lunaire« op. 21 am 16. Oktober in Berlin. Entwirft Ende des Jahres das Oratorium »Seraphita« als Teil einer sich über drei Abende erstreckenden Trilogie (bleibt Fragment).

1913
Uraufführung der Gurre-Lieder unter der Leitung von Franz Schreker am 23. Februar im Großen Musikvereinssaal in Wien. Skizzen zu Stücken für Kammerensemble und Orchester. Vollendet am 9. November das Orchesterlied »Seraphita« op. 22 Nr. 1 und am 20. November die Oper »Die glückliche Hand« op. 18.
Skandal während eines Konzertes mit Werken von Schönberg, Berg, Webern, Mahler und Zemlinsky Ende März in Wien. Übersiedelt im Mai nach Berlin-Südende, Berlinerstraße 17a.
Erhält erstmals ein Stipendium der Mahler-Stiftung, weitere Stipendien folgen 1914 und 1918.

1914
Dirigiert die »Gurre-Lieder« in Leipzig und die Fünf Orchesterstücke op.16 in London.
Uraufführung der Lieder Nr. 2, 5 und 6 aus den Orchesterliedern op. 8 unter der Leitung von Alexander Zemlinsky am 29. Januar in Prag. November/Dezember: komponiert die Orchesterlieder »Alle, welche dich suchen« op. 22 Nr. 2 (vollendet am 8. Januar 1915) und »Mach mich zum Wächter deiner Weiten« op. 22 Nr. 3 (vollendet am 14. Januar 1915).

1915
Dirigiert Beethovens IX. Symphonie im April in Wien. Rückkehr nach Wien im Oktober, bezieht in Hietzing, Gloriettegasse 43, eine Wohnung. Rückt im Dezember zum k.k. Regiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 ein.
Setzt mit dem »Totentanz der Prinzipien« (Textmanuskript, datiert mit 15. Januar) die im Vorjahr begonnene Arbeit an einer großangelegten Symphonie für Soli, Chor und Orchester (Fragment) fort. Beginnt kurz danach mit dem Text zum (unvollendeten) Oratorium »Die Jakobsleiter« (das ursprüngliche Konzept sah den »Totentanz« als dritten und »Die Jakobsleiter« als vierten Satz der Symphonie vor).

1916
Absolviert von März bis Mai die Brucker Reserveoffiziersschule und wird im Juli aufgrund von Atembeschwerden in die Ersatzkompanie versetzt. Vorläufige Enthebung im Oktober nach einem Ansuchen des Wiener Tonkünstler-Vereines.
Komponiert für einen Kameradschaftsabend den Marsch für Streichquartett und Klavier »Die eiserne Brigade«. Bearbeitung des Kaiserlichen Grenadier-Marsches und des Österreichischen Grenadier-Marsches von Neipperg für Symphonieorchester (unvollendet). Schließt am 1. November mit »Vorgefühl« die Vier Lieder für Gesang und Orchester op. 22 ab.

1917
Wiedereinberufung in die Armee im September und endgültige Enthebung im Dezember wegen körperlicher Untauglichkeit.
Konzipiert ein »Liebeslied« für Violine, Bratsche, Violoncello und Harmonium nach einem Text von Rainer Maria Rilke (unvollendet). Beendet im Mai den Text zur »Die Jakobsleiter« und beginnt im Juni mit den musikalischen Skizzen, welche 1918, 1921/22 fortgesetzt werden.

1918
Hält an der Schwarzwald-Schule ein »Seminar für Komposition«.
Übersiedlung nach Mödling, Bernhardgasse 6, im Frühjahr.
Gründet den »Verein für musikalische Privataufführungen«.
Skizzen zu einer Komposition für Streichseptett und zu einem Klavierstück.

1919
Hanns Eisler, Rudolf Kolisch und Karl Rankl werden seine Schüler.
Verfasst Beiträge für die von Adolf Loos herausgegebene Publikation »Richtlinien für ein Kunstamt« sowie für ein Willem-Mengelberg-Gedenkbuch.

1920
Besuch des ersten Mahler-Festivals in Holland; dirigiert in Amsterdam und wird zum Präsidenten des Internationalen Mahler-Bundes ernannt. Hält Kompositionskurse.
Beginnt im März mit einer Passacaglia für Orchester (Fragment) und bearbeitet für den »Verein für musikalische Privataufführungen« die Fünf Orchesterstücke op. 16 für Kammerorchester.
Komponiert im Juli die ersten beiden Klavierstücke aus op. 23, skizziert Nr. 4.
Kompositionsbeginn der Serenade op. 24 im August.

1921
Dirigiert die »Gurre-Lieder« in Amsterdam. Reist im Juni zusammen mit seiner Familie und einigen seiner Schüler in die Sommerfrische nach Mattsee und wird von der dortigen Gemeindeverwaltung als Jude aufgefordert, den Ort zu verlassen. Fährt weiter nach Traunkirchen. Tod der Mutter Pauline Schönberg am 12. Oktober.
Bearbeitet für den Verein »Rosen aus dem Süden« und »Lagunen-Walzer« von Johann Strauß. Arbeitet im Juli in Traunkirchen an Präludium und Intermezzo der Suite für Klavier op. 25 (abgeschlossen 1923).
Vollendet am 6. Oktober den Marsch aus der Serenade op. 24. Bearbeitungen von Werken Schuberts, Denzas und Siolys. Konzipiert mit Rudolf Kolisch die Bearbeitung von Regers Romantischer Suite op. 125 für Kammerensemble. Bearbeitungen von Mahlers »Lied von der Erde« und »Lieder eines fahrenden Gesellen« für den Verein bleiben unvollendet. Arrangiert eine »Weihnachtsmusik« für Kammerensemble.

1922
Dirigiert »Pierrot lunaire« op. 21 in Prag. Mödling-Besuch von Darius Milhaud und Francis Poulenc.
Entwirft im Februar den Anfang eines Violinkonzerts. Skizzen zu zwei Stücken für Kammerensemble (März und Mai) bleiben ebenso fragmentarisch. Orchesterbearbeitungen von Bachs Choralvorspielen »Komm, Gott, Schöpfer, heiliger Geist« (Ende April in Mödling) und »Schmücke Dich, o liebe Seele« (24. Juni in Traunkirchen). Unterbricht die Arbeit an der »Die Jakobsleiter«, das Werk bleibt unvollendet (Uraufführung am 16. Juni 1961 im Großen Konzerthaussaal). Beginnt im November mit »Gerpa«, Thema und Variationen für Horn, Klavier, zwei Violinen und Harmonium (bricht nach der vierten Variation ab). »Lied der Waldtaube« aus den »Gurre-Liedern«, Bearbeitung für Kammerorchester und Gesang (Abschluss der Niederschrift am 14. Dezember in Mödling).

1923
Durch das »Mattsee-Ereignis« auf antisemitische Handlungen und Äußerungen sensibilisiert bricht Schönberg seine freundschaftliche Verbindung zu Wassily Kandinsky, der seit 1922 an das Weimarer Bauhaus berufen ist, ab und weist das Angebot zur Leitung der dortigen Musikschule mit dem Hinweis zurück, von antisemitischen Tendenzen am Bauhaus unterrichtet worden zu sein. Verbringt den Sommer in Traunkirchen.
Schönbergs Frau Mathilde stirbt am 18. Oktober.
Uraufführung von »Lied der Waldtaube« unter Schönbergs Leitung (Solistin: Marya Freund) in Kopenhagen am 30. Januar.
Stellt eine »Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen« vor, welche den traditionellen Harmoniebegriff durch Neuordnung des musikalischen Materials revolutioniert, und legt damit »den Grund zu einem neuen musikalischen Konstruktionsverfahren, das geeignet schien, jene strukturellen Differenzierungen zu ersetzen, für die früher die tonalen Harmonien gesorgt haben.« (»Komposition mit zwölf Tönen«, 1941)
Vollendet in Mödling die im Jahr 1920 begonnenen Fünf Klavierstücke op. 23 (Februar) sowie die Suite für Klavier op. 25 (Februar/März) und die Serenade op. 24 (April/Mai), welche die neue Kompositionsmethode erstmals musikalisch konkretisieren.
Setzt nach dem Tod seiner Frau Mathilde (18. Oktober) die Arbeit an einem 1920 begonnenen »Requiem«-Text fort, welcher jedoch unvertont bleibt.

1924
Am 28. August Heirat mit Gertrud Kolisch, Schwester seines Schülers Rudolf Kolisch, in der Evangelischen Pfarrkirche zu Mödling. Sonderkonzerte anlässlich seines 50. Geburtstages.
Entwirft am 5. Juli eine mit »Magisches Quadrat« betitelte Zwölftonreihe und setzt die zwischen April und Juli des Vorjahres begonnene Arbeit am Bläserquintett op. 26 fort, welche durch Krankheit und Tod seiner Frau Mathilde unterbrochen wurde. Vollendet den vierten Satz aus op. 26 am 26. August (Widmung an seinen Enkelsohn »Bubi« Arnold, geb. 1923 in Schönbergs Mödlinger Wohnung).
Dirigiert am 20. Juli die öffentliche Erstaufführung der Serenade op. 24 in Donaueschingen.
Uraufführung der Oper »Die glückliche Hand« op. 18 unter der Leitung von Fritz Stiedry am 14. Oktober an der Volksoper in Wien. Beginnt Ende Oktober mit der Suite op. 29.

1925
Wird im August in der Nachfolge des im Vorjahr verstorbenen Ferruccio Busoni als Leiter der Meisterklasse für Komposition an die Berliner Akademie der Künste berufen. Antisemitische Proteste in der »Zeitschrift für Musik« als Reaktion auf Schönbergs Professur, welche er am 1. Oktober antritt.
Bearbeitung des »Kaiserwalzers« von Johann Strauß für die Tournee des Pierrot-Ensembles nach Spanien (datiert mit 1. April).
Arbeitet zwischen Juni und August an der Suite op. 29.
Komponiert zwischen 30. September und 10. November Vier Stücke für gemischten Chor op. 27 (zwei der Texte verfasst Schönberg selbst, die beiden anderen sind Hans Bethges Nachdichtungen aus dem Chinesischen entnommen). Nach Abschluss des vierten Chorstücks aus op. 27 beginnt er am 12. November mit der Komposition einer zweiten Serie, den Drei Satiren für gemischten Chor op. 28, welche bis Silvester (noch vor Schönbergs Umzug nach Berlin) abgeschlossen werden.

1926
Ankunft in Berlin zu Jahresbeginn mit seinen Schülern Roberto Gerhard, Winfried Zillig und Josef Rufer. Zu Schönbergs Wirkungsbereich an der Akademie der Künste gehört neben dem vertraglich auf jeweils sechs Monate im Jahr festgelegten Kompositionsunterricht auch die Mitgliedschaft im Senat der Akademie. Wohnt mit seiner Frau Gertrud bis Juni des folgenden Jahres in der Pension Bavaria am Steinplatz in Charlottenburg. Zwischen Juli und November sporadische Wien-Aufenthalte. Nimmt den Unterricht in Berlin aus gesundheitlichen Gründen erst im November wieder auf.
Verfasst am 26. März in Berlin den Text zum erst 1934 komponierten Kanon »Wer mit der Welt laufen will«. Vollendet am 1. Mai die in Mödling begonnene Suite op. 29 und widmet sich den Variationen für Orchester op. 31, in welchen er erstmals die Technik der Zwölftonkomposition auf einen großen Orchesterapparat anwendet.

1927
Wird als Dirigent eigener Werke zur Berliner Funkstunde eingeladen. Konzept zu einer internationalen Schule für Stilbildung. Verbringt den Sommer in Pörtschach am Wörthersee, wo er nach vielen Jahren die Freundschaft mit Wassily Kandinsky und dessen Frau Nina erneuert. Im September und Oktober Reisen nach Wien. Zu den neuen Schülern zählen Nikos Skalkottas, Alfred Keller und Peter Schacht. Sonderkonzerte zu Ehren Schönbergs in Paris.
Komponiert zwischen 24. Januar und 8. März im Auftrag der amerikanischen Mäzenin Elizabeth Sprague Coolidge das III. Streichquartett op. 30. Entwirft am 3. März ein dodekaphonisches Lied für Bariton nach einem Gedicht von Oskar Loerke (Fragment).
Schließt am 12. Juli das im Juni des Vorjahres begonnene zionistische Sprechdrama »Der biblische Weg« ab und legt erstmals eine umfassende Auseinandersetzung mit jüdischer Politik, jüdischem Glauben und der nationalen Identität des Judentums dar, welche einen unmittelbaren Ausdruck des selbsterlebten Antisemitismus darstellt. Eine für das Drama konzipierte Prozessionsmusik in F-Dur bleibt unvollendet.
Schönberg skizziert am 14. September den Beginn eines Streichquartetts, am 14. November die Reihentabelle zu einem Violinkonzert.
Uraufführung des III. Streichquartetts op. 30 durch das Wiener Streichquartett (Kolisch-Quartett) am 19. September im Beisein der Widmungsträgerin in Wien.

1928
Reise nach Cannes zu Jahresbeginn. Dirigiert Ende Januar die »Gurre-Lieder« in London. Konzertiert in der Schweiz. Schönberg und seine Frau beziehen im März eine Wohnung in der Nussbaum-Allee, Berlin-Charlottenburg und verbringen Juli bis Dezember in Roquebrune-Cap Martin an der französischen Riviera.
Beginnt am 2. Januar mit einer Violinsonate, welche durch die Konzertreise nach London unterbrochen und nach der Rückkehr nach Berlin wieder aufgenommen wird (bleibt jedoch Fragment).
Vollendet am 7. März einen Kanon zu Ehren des Concertgebouw Orkest Amsterdam, am 8. April einen dreistimmigen Kanon in drei Tonarten zum 25jährigen Jubiläum der Genossenschaft deutscher Tonsetzer.
Schließt am 21. August in Roquebrune-Cap Martin an der französischen Riviera die Komposition der Variationen für Orchester op. 31 ab und arbeitet bis 20. September an der Partiturreinschrift.
Beendet am 11. Oktober die im Mai begonnene Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge Es-Dur für Orchester.
Befasst sich im Libretto zur Oper »Moses und Aron« erneut mit Fragen des Judentums und der Bedeutung der Religion für den jüdischen Nationalgedanken. Der Text entsteht zwischen 3. und 16. Oktober (zu diesem Zeitpunkt spricht Schönberg noch von einem Oratorium), »Vorstudien und Entwürfe« datieren mit Ende September, ein älterer Entwurf geht bereits auf Juli 1926 zurück. Der Stoff ist den biblischen Vorbildern im Alten Testament entlehnt, von Schönberg bewusst umgestaltet und durch nichtbiblische Elemente ergänzt.
Uraufführung der Variationen für Orchester op. 31 durch Wilhelm Furtwängler und das Berliner Philharmonische Orchester am 2. Dezember in Berlin.

1929
Verbringt Januar bis Februar in Monte Carlo, August bis September in Katwijk aan Zee, Holland.
Zwischen Januar und März entstehen im Auftrag der »Deutschen Staatlichen Kommission für das Volksliederbuch« für eine 1930 im Verlag Peters erscheinende Anthologie Drei Volkslieder für gemischten Chor (begonnen im Dezember des Vorjahres) sowie Vier deutsche Volkslieder für eine Singstimme und Klavier.
Schönberg übersendet das mit 15. März datierte Chorwerk »Glück« op. 35 Nr. 4 an den Deutschen Arbeiter-Sängerbund, welcher im September des Vorjahres den Auftrag zu einer Komposition für Männerchor gegeben hatte. Die Uraufführung findet am 2. November in der Berliner Rundfunk-Sendung »Moderne Arbeiterdichter und Arbeitermusik« mit dem Erwin Lendvai-Quartett statt.
Schließt im April das Klavierstück op. 33a ab. Beendet am 3. August die Partitur der einaktigen Oper »Von heute auf morgen« op. 32, das erste auf der Grundlage zwölftöniger Reihen komponierte Bühnenwerk. Das Libretto von Max Blonda (Pseudonym für Schönbergs zweite Frau Gertrud) »als Satire auf das Eheleben eines sehr nahen Verwandten« entstand wahrscheinlich im Herbst 1928 an der Riviera, die Niederschrift des Particells – die eigentliche Komposition – zwischen Oktober 1928 und 1. Januar 1929.

1930
April bis Mai: Kuraufenthalt in Baden-Baden. Juli bis September: Lugano. Bezieht ein neues Quartier am Nürnberger Platz. Hält im Oktober in Prag den Vortrag »Neue Musik, veraltete Musik, Stil und Gedanke«.
Uraufführung der Oper »Von heute auf morgen« op. 32 unter Wilhelm Steinberg am 1. Februar in Frankfurt am Main.
Komponiert zwischen 19. Februar und 9. März vier der Sechs Stücke für Männerchor op. 35 (sämtlich nach eigenen Texten) und bietet sie zusammen mit den Vorjahreswerken »Glück« und »Verbundenheit« dem Berliner Verlag Bote & Bock an.
Beginnt am 7. Mai in Berlin mit den musikalischen Skizzen zu »Moses und Aron«, Fortsetzung zwischen Juli und September in Lugano. Nimmt die im Herbst des Vorjahres begonnene Arbeit an der »Begleitungsmusik zu einer Lichtspielscene« op. 34 wieder auf, welche vom Heinrichshofen’s Verlag Magdeburg, der Lichtspielhäuser mit Stimmungsmusiken für Stummfilme versorgt, in Auftrag gegeben wurde. Schönberg löst sich jedoch von einer konkreten Drehbuchsituation durch Reduktion auf einen psychologischen Erlebnisablauf: Drohende Gefahr – Angst – Katastrophe. Uraufführung unter der Leitung von Otto Klemperer am 6. November an der Berliner Kroll-Oper.

1931
Dirigat in London. Vortrag im Berliner Rundfunk im März. Mai bis September: Montreux-Territet. Hält sich aus gesundheitlichen Gründen ab Oktober in Barcelona auf.
Setzt im Januar die Arbeit an »Moses und Aron« zunächst in Berlin, zwischen Mai und September in Montreux-Territet (Ende des ersten Aktes und Zwischenspiel, Anfang des zweiten Aktes) und ab Anfang Oktober in Barcelona fort. 
Komponiert zwischen 8. und 10. Oktober das Klavierstück op. 33b.
Uraufführung der Sechs Stücke für Männerchor op. 35 am 24. Oktober in Hanau mit dem »13er Quartett der AGV Vorwärts«.

1932
Schiebt die Rückkehr nach Berlin vor allem aus politischen Gründen auf. Antisemitische Widerstände der Preußischen Akademie werden unter dem Vorwand formaler Probleme an ihn herangetragen. Als Schönberg im Juni gezwungenermaßen in das unsichere Berlin zurückkehren muss, wird ihm die Situation der Juden in Deutschland drastisch klar. Durchbruch zum politisch-jüdischen Engagement.
Geburt der Tochter Dorothea Nuria am 7. Mai in Barcelona.
Uraufführung der Vier Lieder für Gesang und Orchester op. 22 unter der Leitung von Hans Rosbaud (Solistin: Hertha Reinecke) am 21. Februar in Frankfurt am Main.
Beendet im März in Barcelona den zweiten Akt zu»Moses und Aron«. Die mit umfangreichen Regieanweisungen und Aktionsbeschreibungen als monumentales Gesamtkunstwerk konzipierte Oper bleibt unvollendet, der dritte Akt beschränkt sich auf Libretto und wenige musikalische Skizzen.

1933
Verlässt Berlin; wird von den Nationalsozialisten aus der Akademie ausgeschlossen. Rekonversion zur jüdischen Glaubensgemeinschaft in Paris im Juli. Überfahrt in die Vereinigten Staaten mit Frau und Tochter.
Ankunft in New York am 31. Oktober. Lehrt am Malkin-Konservatorium in Boston und New York.
Auf Anregung von Pablo Casals entsteht das Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur in freier Umgestaltung nach dem Concerto per Clavicembalo von Georg Matthias Monn (vollendet am 4. Januar).
Komponiert zwischen Januar und Februar Drei Lieder für Gesang und Klavier op. 48 nach Texten von Jakob Haringer. Skizziert im März den Anfang eines Klavierkonzerts. Widmung der im April komponierten Geburtstags-Kanons an Carl Engel.
Auf Anregung des Kolisch-Quartetts entsteht ein Konzert für Streichquartett und Orchester B-Dur in freier Umgestaltung nach dem Concerto Grosso op. 6 Nr. 7 von Georg Friedrich Händel, welches im September in Arcachon, fernab politischer Turbulenzen, vollendet wird.

1934
Dirigiert »Pelleas und Melisande« in Boston. Vorträge an der University of Chicago. Übersiedlung von Boston nach New York und dann weiter nach Los Angeles. Vorträge über die Lage der Juden.
Uraufführung des Konzerts für Streichquartett und Orchester nach Händel durch das Kolisch-Quartett und das Prager Rundfunkorchester am 26. September in Prag.
Komponiert auf Anregung von Martin Bernstein die Suite für Streichorchester (datiert mit 23. Oktober).

1935
Vorlesungen an der University of Southern California. Privatunterricht. John Cage wird sein Schüler.
Bearbeitung der Ersten Kammersymphonie für Orchester op. 9b (datiert mit 18. April).
Uraufführung der Suite für Streichorchester unter der Leitung von Otto Klemperer am 18. Mai in Los Angeles.
Uraufführung des Konzerts für Violoncello und Orchester nach Monn im Rahmen eines Festkonzertes für Jean Sibelius am 7. November in London (Solist: Emanuel Feuermann).
Uraufführung der Kammersymphonie op. 9b unter Leitung des Komponisten am 27. Dezember in Los Angeles.

1936
Professur an der University of California in Los Angeles. Lässt sich in Brentwood Park, West Los Angeles, nieder, wo er bis zu seinem Tode lebt. Freundschaft mit George Gershwin.
Komponiert im Auftrag von Elizabeth Sprague Coolidge von 27. April bis 26. Juli das IV. Streichquartett op. 37.
Vollendet im September das im Vorjahr begonnene Konzert für Violine und Orchester op. 36.

1937
Im Mai erscheint die von Merle Armitage herausgegebene Anthologie »Schoenberg«. Zu den Autoren zählen unter anderen Ernst Krenek, Leopold Stokowski, Berthold Viertel und Eduard Steuermann.
Geburt des Sohnes Ronald am 26. Mai.
Uraufführung des IV. Streichquartetts op. 37 durch das Kolisch-Quartett am 9. Januar in Los Angeles.
Bearbeitet zwischen Mai und September das Klavierquartett g-Moll op. 25 von Johannes Brahms für Orchester.

1938
Schönbergs Tochter Gertrude Greissle und deren Familie sowie Alexander Zemlinsky und seine Frau treffen in New York ein.
Uraufführung der im Vorjahr entstandenen Brahms-Bearbeitung unter der Leitung von Otto Klemperer am 7. Mai in Los Angeles.
Auf Anregung von Jacob Sonderling, Rabbiner aus Los Angeles, entsteht zwischen 1. August und 22. September die Chorkomposition »Kol Nidre« op. 39. Schönberg erarbeitet aus den traditionellen Vorlagen des am Vorabend des Versöhnungsfestes (Jom Kippur) gesungenen jüdischen Gebetes eine eigene Melodieversion. Die Uraufführung findet unter der Leitung des Komponisten am 4. Oktober (dem Vorabend zu Jom Kippur 1938) in Los Angeles statt.

1939
Versucht für Verwandte und Freunde Affidavits zur Einreise in die USA zu beschaffen. Georg Schönberg und seine Familie leben in schlechtesten Verhältnissen bis nach Kriegsende in Mödling.
Komponiert auf Anregung des Dirigenten Fritz Stiedry an der bereits im Jahr 1906 – kurz nach der Ersten Kammersymphonie op. 9 – begonnenen Zweiten Kammersymphonie op. 38.

1940
Dirigiert »Pierrot lunaire« für Schallplatte.
Uraufführung des Violinkonzerts op. 36 unter der Leitung von Leopold Stokowski (Solist: Louis Krasner ) am 6. Dezember in Philadelphia.

1941
Geburt des Sohnes Lawrence am 27. Januar. Arnold, Gertrud und Nuria werden US-amerikanische Staatsbürger. Tod des Bruders Heinrich in Salzburg.
Zwei Fragmente einer Sonate für Orgel (datiert mit 7. August).
Komponiert zwischen August und Oktober Variationen über ein Rezitativ für Orgel op. 40.

1942
Gibt Sommerkurse an der UCLA. Berichte von großen Erfolgen des »Pierrot lunaire« in London.
Vollendet am 12. Januar die Zweite Kammersymphonie op. 38B in einer Fassung für zwei Klaviere.
Komponiert zwischen 12. März und 12. Juni im Auftrag der League of Composers für deren Zwanzigjahrfeier die »Ode to Napoleon Buonaparte“ op. 41 für Streichquartett, Klavier und Sprecher.
Komponiert auf Anregung seines Schülers Oscar Levant in der zweiten Jahreshälfte das Konzert für Klavier und Orchester op. 42 (vollendet am 29. Dezember).
Beendet im September das Lehrbuch »Models for Beginners in Composition« (»Modelle für Anfänger im Kompositionsunterricht«).

1943
Schönberg hält Sommerkurse. Arbeit an musikpädagogischen Werken. Entwirft Modelle für ein »Rastral«, ein Gerät zum Ziehen von Notenlinien.
Komponiert auf Anregung von Carl Engel, Präsident des Verlages Schirmer in New York, zwischen 20. Juni und 3. Juli Thema und Variationen für Blasorchester op. 43, welche das Repertoire amerikanischer Blasorchester durch ein anspruchsvolles Werk eines herausragenden zeitgenössischen Komponisten erweitern und zugleich zu Schönbergs Popularität in Amerika beitragen sollten.
Schönbergs Schwiegersohn Felix Greissle schlägt im August vor, das neue Werk auch für Symphonieorchester zu bearbeiten, da die Komplexität des Bläsersatzes die technischen Möglichkeiten der meisten amerikanischen Ensembles übersteigen würde. Bis Oktober sind Thema und Variationen op. 43B abgeschlossen.

1944
Emeritierung von der University of California in Los Angeles. Schönberg gibt Privatunterricht.
Uraufführung des Klavierkonzertes op. 42 unter der Leitung von Leopold Stokowski (Solist: Eduard Steuermann ) am 6. Februar in New York.
Uraufführung von Thema und Variationen für Orchester op. 43B unter der Leitung von Serge Koussevitzky am 20. Oktober in Boston.

1945
Das Ansuchen um ein Stipendium der Guggenheim-Stiftung zur Fertigstellung von »Moses und Aron«, der »Jakobsleiter« und von Lehrbüchern wird abgelehnt.
Komponiert auf Anregung von Leopold Stokowski im August die Fanfare auf Motive aus den »Gurre-Liedern« (unvollendet) für die Hollywood Bowl-Konzerte.
Im Auftrag von Nathaniel Shilkret entsteht zwischen 21. und 30. September Prelude op. 44 als Teil der »Genesis-Suite«, welche als Gemeinschaftskomposition von Shilkret, Alexander Tansmann, Darius Milhaud, Mario Castelnuovo-Tedesco, Ernst Toch und Igor Strawinsky unter der Leitung von Werner Janssen am 18. November in Los Angeles uraufgeführt wird.

1946
Herzattacke. Vorträge an der University of Chicago.
Im Auftrag des Music Department der Harvard University entsteht für ein im Frühjahr 1947 stattfindendes Symposium das Streichtrio op. 45 (Juni–September). Mit der Vollendung des Werks schreibt Schönberg zugleich das traumatische Erlebnis einer Herzattacke, welche er im August erlitt, in die musikalische Textur ein. Thomas Mann berichtet darüber in der »Entstehung des Doktor Faustus«.
Uraufführung von Thema und Variationen für Blasorchester op. 43 durch die Goldman Band am 27. Juni in New York.
Verfasst das Lehrbuch »Structural Functions of Harmony« (»Die formbildenden Tendenzen der Harmonie«).

1947
Wahl zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters.
Uraufführung des Streichtrios op. 45 durch Mitglieder des Walden String Quartets an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts.
Komponiert im Auftrag der Koussevitzky Music Foundation im August die Kantate »A Survivor from Warsaw« (»Ein Überlebender aus Warschau«) op. 46, dessen von Schönberg verfasster Text (deutsch/englisch mit hebräischem Gebet) auf eine Anregung der Choreographin Corinne Chochem zurückgeht und die Shoah thematisiert.

1948
»Dr. Faustus«-Kontroverse mit Thomas Mann.
Hält Kurse in Santa Barbara.
Drei Volkslieder op. 49 für gemischten Chor (24. und 26. Juni)
Schließt das 1937 begonnene Lehrbuch »Fundamentals of Musical Composition« (»Grundlagen der musikalischen Komposition«) ab.
Uraufführung von »A Survivor from Warsaw« op. 46 unter der Leitung von Kurt Frederick am 4. November in Albuquerque, New Mexico.

1949
Ist wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nicht im Stande, zu Einladungen anlässlich seines 75. Geburtstages nach Europa zu reisen. Verleihung des Titels »Bürger der Stadt Wien«.
Komponiert für den Geiger Adolf Koldofsky eine Phantasie für Violine mit Klavierbegleitung op. 47, welche dieser anlässlich Schönbergs 75. Geburtstag im September uraufführt.
Vertont im April aus Dagobert D. Runes Gedichtband »Jordanlieder« »Dreimal tausend Jahre« op. 50A für gemischten Chor a cappella. Die Uraufführung findet durch den Lilla Kammarkören unter der Leitung von Eric Ericson am 29. Oktober in Fylklingen statt. »Israel exists again« für gemischen Chor und Orchester (10. Juni)
Komponiert Ende Juni Drei Volkslieder op. 49 und greift dabei auf jene in den späten 1920er-Jahren für den Verlag Peters bearbeiteten Volksliedmelodien zurück.

1950
Beendet Anfang des Jahres die Kontroverse mit Thomas Mann
Schönbergs Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Verfasst sein Testament.
Auf Anregung von Chemjo Vinaver, der von Schönberg einen Beitrag für seine »Anthology of Jewish Music« erbittet, komponiert dieser zwischen 20. Juni und 2. Juli den Psalm 130 »De Profundis« op. 50B für gemischten Chor a cappella. (Uraufführung durch den Kölner Rundfunkchor unter der Leitung von Bernhard Zimmermann am 29. Januar 1954 in Köln.)
Verfasst im September Texte zu »Psalmen, Gebeten und anderen Gesprächen mit Gott« (von Rudolf Kolisch im Jahr 1956 posthum unter dem Titel »Moderne Psalmen« veröffentlicht), daraus wird zwischen 29. September und 2. Oktober ein »Moderner Psalm« op. 50C für Sprecher, gemischten Chor und Orchester vertont. (Uraufführung unter der Leitung von Nino Sanzogno am 29. Mai 1956 in Köln.)
Veröffentlichung der Essay-Sammlung »Style and Idea«, herausgegeben von Schönbergs Schülerin Dika Newlin, bei der Philosophical Library in New York.

1951
Ernennung zum Ehrenpräsidenten der Israelitischen Musikakademie in Jerusalem.
Arnold Schönberg stirbt am 13. Juli in Los Angeles.
»Der Tanz um das goldene Kalb« aus »Moses und Aron« wird unter der Leitung von Hermann Scherchen am 2. Juli in Darmstadt uraufgeführt.

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